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Interessantes und Wissenswertes aus der Historie des Profi-Fußballs

Das Letzte

Nach nunmehr 5 Jahren und über hundert Ausgaben sieht der geneigte Leser hier die letzte Ausgabe des QUERPASS vor sich. Wird die Welt sich dadurch verändern? Sicherlich nicht. Wird die Trauer groß sein? Ungefähr genauso groß wie beim Abschied von Bert van Marwijk aus Hamburg. Wird sich der Fußball nachhaltig verändern? Wahrscheinlich nicht, auch wenn der QUERPASS sich alle Mühe gegeben hat.

Aber Veränderungen gegenüber ist man im Fußball allgemein eher ablehnend. Das Spiel soll ja bleiben wie es ist, heißt es an der Theke immer. Bloß nicht dran rumdoktorn. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum der Videobeweis nicht eingeführt wird, auch wenn er bei Torentscheidungen (siehe DFB-Pokal-Finale) wohl sehr nützlich wäre und das Spiel ja auch gar nicht wirklich verändern würde.

Den generellen Videobeweis möchte wohl aber niemand sehen, da hierfür ja die Partien ständig unterbrochen werden müssten und sich die Spielzeit damit erheblich verlängert. Wenn Kaiser Franz die Erinnerung in seinem verkalkten Hirn irgendwo auftreiben kann, könnte man ihn nach seiner Erfahrung mit diesem Phänomen fragen. Denn er hat in seiner Zeit in der Operettenliga der USA tatsächlich erlebt, dass – wie im US-Sport üblich – bei jedem Pfiff die Uhr angehalten wurde, eine Werbepause gemacht wurde und so tatsächlich netto 90 Minuten gespielt wurde, womit von Anpfiff bis Abpfiff etwa 2 Stunden vergingen.   

Finger weg, heißt also die Devise. Dabei hat sich das Spiel durch Regeländerungen permanent entwickelt und meistens sogar zum Besseren. Blicken wir zurück auf die erste Regelfestlegung 1863 in London: Hier wurde erstmals festgehalten, dass Tritte gegen das Schienbein untersagt sind. Die Vertreter des Vereins Blackheath verließen daraufhin empört die Versammlung (waren wohl Vorfahren von Philipp Sonnen).

Erst drei Jahre später konnte sich echtes Passspiel entwickeln, weil bis dahin die Abseits-Regel aus dem Rugby angewendet wurde, d.h. man stand schon im Abseits, wenn der Ball nach vorne gespielt wurde. Dribblings waren also das einzige echte Mittel zur Vorwärtsbewegung (anscheinend hat Christoph Schmitz immer noch diese Ausgabe des Regelwerks im Schrank).

Immerhin schon 1896 wurde  in Deutschland festgelegt, dass das Spielfeld frei von Bäumen und Sträuchern sein muss. Gute Idee, denn man ärgert sich ja schon genug, wenn man Bälle, die ins Aus gehen, in dichtem Eifel-Gestrüpp suchen gehen muss.

Das Torwart-Spiel erfuhr wohl die tiefgreifendsten Veränderungen: Bis 1912 durfte der Keeper in der ganzen eigenen Hälfte den Ball mit der Hand spielen. 1992 durfte er keine Rückpässe mehr aufnehmen, was den Schlussmännern nun zumindest rudimentäre technische Fähigkeiten abverlangte, die bis heute nicht alle nachweisen können. Eine Weiterentwicklung dieser Regel schlug der holländische Fußballanalyst Prof. Gerard Sierksma vor: Um mehr Tore pro Spiel zu bekommen, möchte er dem Torhüter das Festhalten des Balles verbieten, Fausten z.B. würde aber erlaubt bleiben. Für Thorsten Benz kein Problem – der hält sowieso keinen fest.

Auch der Platzverweis entwickelte sich erst langsam zur heutigen Form. Von den Anfängen des Gentleman-Sports, als man davon ausging, dass ein Mann nie absichtlich ein Foul begehen würde, bis zur Einführung der gelb-roten Karte 1991, als schwächerer Platzverweis. Aktuell fordert der Ex-Schiedsrichter Pierluigi Collina, dass bei verletzungsbedingten Behandlungen der Spieler, der das Foul begangen hat, für die Dauer der Behandlung ebenfalls das Spielfeld verlassen muss. Die Idee kommt natürlich von einem Italiener: Momentan ist das Verlassen des Spielfeldes für eine Behandlung und die damit verbundene Unterzahl wohl das einzige, was die Italiener davon abhält, sich nach JEDEM Foul zehn Minuten am Boden zu wälzen und nach dem Arzt zu schreien, wie im Training geübt.

Der Anblick der Relegation zur Zweiten Liga zwischen Bielefeld und Darmstadt hat übrigens im QUERPASS nochmal einen Änderungswunsch hervorgebracht: Die Europapokal-Arithmetik der Auswärtstore von 1965 muss geändert werden. In einer eventuellen Verlängerung nach dem Rückspiel dürfte diese Regel nicht mehr greifen, denn schließlich hat ja die im Rückspiel auswärts antretende Mannschaft damit 30 Minuten mehr Zeit, ein Auswärtstor zu erzielen. Also hätte es bei Bielefeld-Darmstadt noch Elfmeterschießen geben müssen, weil Hin: 1-3, Rück 1-3, Verlängerung 1-1. Oder man geht wie im europäischen Handball ohne Verlängerung gleich zum Elfmeterschießen.       

Aber nach 5 Jahren haben wir eines gelernt: Nicht der QUERPASS verändert den Fußball – der Fußball verändert den Fußball.